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Frühe Geschichte


Besiedlung

Über den Zeitpunkt der ersten Besiedlung der japanischen Inseln liegen noch keine exakten Erkenntnisse vor, sie liegt vermutlich aber 100.000 bis 200.000 Jahre zurück. Vermutlich kamen Menschen aus drei Regionen nach Japan:

* Eine Gruppe wanderte aus der Gegend des heutigen Sibirien über eine Landbrücke vom asiatischen Festland nach Hokkaido ein. Die Wanderung dieser so genannten Nordgruppe ist heute archäologisch und sprachwissenschaftlich (Elemente aus der Gruppe der altaischen Sprachen finden sich sowohl in der finno-ugrischen Sprachfamilie als auch im Japanischen) recht gut belegt.
* Eine zweite Einwanderung erfolgte ebenfalls über eine Landbrücke von der koreanischen Halbinsel nach Zentraljapan.
* Der Süden Japans wurde von Menschen aus Südostasien auf dem Seeweg erschlossen. Bei diesen Siedlern handelte es sich möglicherweise um Angehörige der prähistorischen Sundaland-Kultur.

Jōmon-Zeit

Das Halbdunkel der japanischen Ur- und Frühgeschichte wird erst mit dem Auftreten der Jōmon-Kultur erhellt. Die Jōmon-Zeit umfasst etwa den Zeitraum von 10.000 bis 300 v. Chr. Ihr Name leitet sich von den mit Schnüren und Kordeln erzeugten Mustern in der damaligen Keramik ab. Die Menschen jener Zeit waren Jäger und Sammler und lebten in lockeren Verbänden zusammen. Um diese Zeit eroberte das Kaiserreich China der Han-Zeit die Halbinsel Korea. Der chinesische Kulturkreis war dicht an Japan herangerückt, die Grundlagen eines auch in den folgenden Jahrhunderten bedeutenden Kulturaustauschs waren gelegt.

Yayoi-Zeit

Der technologische Fortschritt führte zum Übergang in eine neue Epoche, die Yayoi-Zeit, welche sich etwa von 300 v.Chr. bis 300 n. Chr. erstreckte. In der Yayoi-Zeit kamen Naßreisanbau und Metallverarbeitung nach Japan. Benannt ist diese Zeit nach dem Tokioter Vorort Yayoi, in dem Keramik gefunden wurde, die einerseits deutlich schlichter war als die der Jomon-Zeit, die andererseits aber von höherer Qualität war und die Zunahme handwerklichen Geschicks illustrierte. Aus der Kulturstufe der Yayoi-Zeit mit ihren Dorfgemeinschaften trat die Zeit der ersten Staaten in Japan hervor. Der Schritt zur Staatsbildung leitet das japanische Altertum ein.
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Altertum

Kofun-Zeit

Die Kofun-Zeit (etwa 300–710 n. Chr.) ist benannt nach den schlüssellochförmigen Hügelgräbern jener Zeit, den Kofun. Zu jener Zeit ist in chinesischen Chroniken bereits die Rede von einem Königreich Yamato auf den japanischen Inseln. Dieses mischte sich im 4. Jhd. auch in Konflikte auf der koreanischen Halbinsel ein, wo nach dem Abzug der Chinesen währen der Wei-Zeit drei Reiche (Koguryo, Paekche, Silla) um die Herrschaft kämpften. In der Kofun-Zeit entstanden rege Beziehungen nach China und Korea, Kulturtechniken wurden importiert. Wesentlich war der Buddhismus, der im 6. Jhdt. nach Japan kam. Er wurde nach heftigen Konflikten Staatsreligion (in diesem Kampf gelangte die Familie Soga zu erheblichem Einfluss). Die nun folgende Phase der japanischen Geschichte heißt nach der damaligen Hauptstadt Asuka-Zeit, sie beginnt etwa 590 und dauert bis 710 n. Chr. an.


Asuka-Zeit

Obwohl die Asuka-Zeit zeitlich mit der Kofun-Zeit überlappt, wird sie gesondert betrachtet, da in diesem Zeitraum Weichenstellungen für Japans Geschichte stattfanden. Die Soga errichteten eine Herrschaft, die weit vom buddhistischen Ideal entfernt war. Dennoch leitete die Thronbesteigung Suikos (einer Nichte des Soga-Familienvorstandes) einen großen Wandel in Japans Geschichte ein. Suikos Prinzregent Shōtoku Taishi war gläubiger Buddhist. Er schuf 604 mit den „17 Artikeln“ eine Schrift zur ethischen Ausübung der Herrschaft. Weiterhin übernahm er das chinesische System der Hofränge, schuf ein erstes Wegenetz und befahl die Anfertigung von Chroniken. Obwohl die folgenden Jahre für Japan ungünstig verliefen, z. B. geriet es in Korea militärisch unter Druck durch ein erstarktes China, folgten weitere Reformen von großer Tragweite. 645 erließen die Machthaber eine Reihe von Gesetzen, die als Taika-Reform (Taika, jap. Große Wende) in die Geschichte eingehen sollten. Die Taika-Edikte unterstellten alles Land dem Kaiser, ordneten den Bau einer Hauptstadt an, verfügten Landvermessungen, Volkszählungen und Steuererhebungen. Mit den Taiho-Erlässen des Jahres 701 wurde die Neugestaltung des japanischen Kaiserreichs abgeschlossen. Es war nun ein Zentralstaat mit einer gesetzlichen Ordnung, die um den Kaiser herum aufgebaut war. Aufgrund des japanischen Glaubens, dass jeder Tod den Ort des Versterbens verschmutzt, musste die Hauptstadt im Verlauf der Asuka-Zeit einige Male gewechselt werden.


Nara-Zeit

Erst im Jahr 710 wird Nara für längere Zeit Hauptstadt. Das japanische Altertum (auch japanische Klassik genannt) beginnt. Insgesamt war die Nara-Zeit geprägt von Frieden und kultureller Blüte. Gefahr drohte zwar in Form einer Invasion aus China oder Korea, aber ein Wehrpflichtsystem garantierte bemannte Verteidigungswälle. Ansonsten sicherten die Errungenschaften der Asuka-Zeit den kaiserlichen Hof ab, der aus einem weitgehend befriedeten und geordneten Land Steuereinkünfte erhielt. Allerdings entstanden fast unbemerkt von den Herrschenden neue Probleme, weil Land in den Besitz von Klöstern und Großfamilien geriet und so der Hof geschwächt wurde.



Heian-Zeit

Nach dieser Stadt ist auch die Heian-Zeit (794–1185) benannt. Zu Beginn der Heian-Zeit gelang es Kammu-Tenno noch einmal die kaiserliche Herrschaft zu stabilisieren. Aber nach und nach gelang es der Familie Fujiwara die Herrschaft auszuüben. Durch geschickte Heiratspolitik sicherte der Clan seinen Einfluss. Erst Kaiser Go-Sanjo (Thronbesteigung 1068) brach die Herrschaft der Fujiwara, aber zu einem hohen Preis. Er ging ins Kloster und regierte von dort indirekt, eine Praxis die das Kaiserhaus dann eine Weile beibehielt. Aber dieses Vorgehen hatte die kaiserliche Macht stark eingeschränkt und dem Ansehen des Kaiserhauses nachhaltig geschadet. Literatur und Dichtung gelangten trotz oder gerade wegen der widrigen Zustände zu hoher Blüte, so wurde das Genji Monogatari in der Heian-Zeit verfasst. Aber die kulturelle Blüte konnte den Verfall der Ordnung nicht aufhalten. Der Kaiser war keine mächtige Ordnungskraft mehr, andere nahmen den Kampf um die Herrschaft auf.

Das japanische Mittelalter

Mit dem Zerfall der zentralstaatlichen Ordnung begann das japanische Mittelalter, das sich von 1185 bis etwa 1600 erstreckt.


Kamakura-Zeit

Die erste Phase des Mittelalters ist die Kamakura-Zeit von 1185 bis 1333. Ihr zentrales Motiv ist der Konflikt zwischen den Familien Taira und Minamoto. Diese Kriegerfamilien hatten für den Hof in Heiankyō Polizeiaufgaben erledigt und Feldzüge durchgeführt. Mit dem Zerfall der Ordnung spitzte sich die Situation zu einem Kampf um die Herrschaft zwischen den beiden Familien zu. Nachdem die Taira die Minamoto vernichtend geschlagen hatten, ließ Taira no Kiyomori aber die Führer der Minamoto am Leben. Ein folgenschwerer Fehler, denn unter der Führung der Brüder Yoritomo und Yoshitsune schlugen die Streitkräfte der Minamoto die Taira vernichtend. Dieser als Gempei-Krieg bekannt gewordene Konflikt ist ein beliebtes Motiv in Japans Literatur, Dichtung und Film.

Yoritomo zwang seinen Bruder nach Differenzen zum Selbstmord und errichtete dann in Kamakura das erste Shogunat. Er errichtete parallel zur alten kaiserlichen Herrschaftsstruktur eine straffe, militärisch organisierte Verwaltung. Folgerichtig hieß seine Regierung auch Bakufu, das bedeutet in etwa Zeltregierung und deutet den militärischen Charakter der Führung an. Nach Yoritomo (der, so will es die Legende, nach einem Sturz vom Pferd verstarb, den der Geist seines Bruders Yoshitsune ausgelöst haben soll) regierten noch zwei seiner Söhne, doch dann verlagerte sich die Macht auf die Familie Hōjō.

Die Herrschaft der Hōjō

Unter ihrer Anführerin Masako (1156–1225) wird noch einmal ein relativ friedlicher Zustand erreicht. Doch von außen drohte Gefahr. 1274 und 1279 versuchten die Mongolen in Japan zu landen. Die japanische Regierung wußte um diese Bedrohung und errichtete auf Kyūshū eine Wallanlage um der Invasion zu begegnen. Wäre diese gelungen, hätten Japans Streitkräfte die Mongolen vermutlich dennoch nicht aufhalten können. Aber beide Male kamen heftige Stürme den Verteidigern des Inselreichs zu Hilfe und zerstreuten die Invasionsflotten. Seitdem gibt es den Begriff des Götterwindes (Kamikaze). Die Abwehr der Mongolenangriffe destabilisierte die Herrschaft des Shōgunats erheblich. Zwar war die unmittelbare Bedrohung vorüber, doch es gab keine Möglichkeit die Vasallen zu entlohnen, die Truppen gestellt und die Festungsanlagen besetzt hatten. Üblicherweise erhielten die Sieger bei den innerjapanischen Kriegen die Ländereien der besiegten Familien als Entlohnung. Von den mongolischen Angreifern war aber nichts zu erobern, so dass sich Unmut breit machte.

Im Jahr 1333 endet das Kamakura-Bakufu mit der Vernichtung der Hōjō durch Truppen der Familien Ashikaga und Nitta. Diese waren auf Betreiben Kaiser Go-Daigos gegen das Shōgunat zu Felde gezogen, das die Kaiser vollends entmachtet und ins Exil geschickt hatte. Go-Daigo hoffte mit Hilfe der Ashikaga wieder an die Macht zu kommen.


Muromachi-Zeit

Anders als geplant errichteten aber die Ashikaga ein neues Shōgunat und leiteten die Muromachi-Zeit (1333–1568) ein. Muromachi war ein Stadtteil von Heiankyo, dort, in der alten Hauptstadt, hatten die Ashikaga auch einen ihnen genehmen Kaiser eingesetzt. Dies führte zu einem zeitweiligen Schisma der kaiserlichen Linie, da Go-Daigo an seinem Anspruch festhielt. 1392 gab Go-Daigos Nachfolger dieses Ansinnen allerdings auf.

Die Herrschaft der Ashikaga nahm ein jähes Ende. Nach einer kurzen Hochphase unter Ashikaga Yoshimitsu (den sogar Ming-China als Herrscher Japans anerkannte) zerfiel das Shōgunat im Ōnin-Krieg (1467–1477). Dieser Konflikt tobte in der Hauptstadt und führte zu deren nahezu vollständiger Zerstörung. Mit der Hauptstadt war auch die Zentralgewalt endgültig zerschlagen.

Die Zeit der streitenden Reiche

Japan war ein Flickenteppich aus Herrschaftsgebieten einzelner Fürsten und Familien. In die folgenden blutigen und ereignisreichen Zeiten fällt die Ankunft der Portugiesen in Japan, die auch die ersten Feuerwaffen mitbrachten. Zudem begann die christliche Missionierung Japans. Trotz aller Unruhe und Gewalt jener als Sengoku-jidai (Zeit der streitenden Reiche) bekannten Zeit, kam es auch zur Herausbildung eines Handels zwischen den einzelnen Regionen, zum ersten Europakontakt und zum prägenden Kontakt mit dem Christentum (vgl. Christentum in Japan). Selbst die Feuerwaffe, die keine technische Weiterentwicklung erfuhr, sollte wenige Jahrzehnte später in der Schlacht von Nagashino sehr bedeutsam werden.

Ein von grausamem Bürgerkrieg geschütteltes Japan erhielt erst in der Azuchi-Momoyama-Zeit (1568–1600) neue Hoffnung. Es war die Zeit der drei Reichseiniger, Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu. Oda Nobunaga, ein kleiner Daimyō aus Owari gelangte durch geschicktes Taktieren, militärische Begabung und brutalen Durchsetzungswillen zu Einfluss über ganz Japan.

Toyotomi Hideyoshi, der als einfacher Soldat in Nobunagas Heer begann, setzte dessen Einigungswerk fort, wobei sein Invasionsversuch in Korea 1592 mehr als 200.000 Mann das Leben kostete. Umstritten ist, ob er nicht vorrangig potentielle Unruhestifter in dieses militärische Abenteuer entsandte. Er trieb Japans Einigung vor allem mit diplomatischem Geschick voran.

Nach Toyotomi Hideyoshis Tod 1598, trat aus den Großen des Landes Tokugawa Ieyasu hervor. In der Schlacht von Sekigahara im Jahr 1600 unterwarf er, nicht zuletzt dank der Feuerwaffen, seine Gegenspieler und wurde unumschränkter Herrscher Japans. Mit der Tokugawa-Herrschaft beginnt Japans frühe Neuzeit, die etwa von 1600 bis 1868 andauert und auch als Edo-Zeit (nach der Hauptstadt Edo) bekannt ist.


Edo-Zeit

Die Tokugawa errichteten ein politisches System, das gewisse Anleihen beim Kamakura-Bakufu machte. Japan wurde in Provinzen (han) eingeteilt die von Fürsten (Daimyō ) regiert wurden. Die Daymiō waren dem Shōgun (der Titel war den Tokugawa-Herrschern vorbehalten) lehenspflichtig. Ähnlich wie im europäischen Feudalismus ging es dabei um Militärdienst und die Verpflichtung Abgaben an die Zentralregierung abzuführen.


Ständesystem

Der kaiserliche Hof wurde von der Machtausübung völlig ausgeschlossen und isoliert. Da die Tokugawa dieses Herrschaftssystem durch rigide Gesetze und Kontrollmechanismen stützten, konnte es fast 200 Jahre lang bestehen. Die Bevölkerung wurde in ein konfuzianisch inspiriertes Ständesystem eingeteilt, das vier Stände kannte, Krieger, Bauern, Handwerker und Kaufleute (shi-no-ko-sho). Ein Wechsel des Standes war nahezu unmöglich. An oberster Stelle standen die Samurai, nunmehr weniger Krieger- als Verwaltungselite des Landes. Aus Furcht vor Aufständen erlegten die Tokugawa dem Kriegeradel aber strenge Verhaltensregeln auf. Samurai lebten nicht mehr auf dem Land bei den ihnen unterstellten Bauern, sondern in den Burgstädten ihrer Herrn. Sie durften nur wenige Tätigkeiten ausführen und waren zum Broterwerb fast gänzlich auf die Erträge der Lehen angewiesen. Die Bauern waren zwar nominell der zweite Stand im Staat, doch war ihr Leben genau kontrolliert. Im Japan der Tokugawa war die Gesellschaft von ihrer kleinsten Einheit, der Familie (ie) über Gruppen von Familien bis zur Dorfebene genau erfasst. Jede dieser Einheiten hatte einen Verantwortlichen, der seinem Vorgesetzten gegenüber Rechenschaft abzulegen hatte. Verfehlungen eines Gemeinschaftsmitgliedes zogen oft die Bestrafung der Gruppe nach sich. Die Handwerker waren aufgrund ihrer Fähigkeiten unentbehrlich, doch um ihre Produkte an die Bevölkerung der entstehenden Städte zu verkaufen, brauchten sie die Kaufleute, den vierten und offiziell niedrigsten Stand der Gesellschaft.


Isolation

Weitere Elemente der Tokugawa-Herrschaft waren die Verfolgung des als revolutionär geltenden Christentums und die Abschließung nach Außen (sakoku). Während dieser Phase der Isolation waren das Kaiserreich China und die Niederlande Japans einzige Handelspartner. Die Niederländische Ostindien Kompanie unterhielt eine Handelsstation auf der künstlichen Insel Deshima. Westliche Ideen und Konzepte kamen so in Form der Rangaku (Hollandstudien) nach Japan.

Gesellschaft und Kultur

Alle Versuche des Shōgunats, eine statische Gesellschaftsordnung zu erhalten, scheiterten aber letzten Endes. Die Kaufleute (chōnin) standen zwar in der gedachten Gesellschaftsordnung an letzter Stelle, doch ihr realer Einfluss war erheblich. Im Verlauf der Edo-Zeit wuchsen Japans Städte, die Zentralisierung des Kriegeradels an diesen Orten schuf neue Absatzmärkte. Als Bindeglied zwischen den produzierenden Ständen der Bauern und Handwerker und den Konsumenten in den Städten fungierten die chōnin. Samurai gerieten in Abhängigkeit von Kaufleuten, oftmals waren sie hochverschuldet. Selbst die Daimyō waren oft gezwungen, Kredite aufzunehmen, um das teure Leben in Edo finanzieren zu können. Der Aufstieg des Kaufmannsstandes destabilisierte einerseits das Ständesystem, führte aber andererseits zu neuen Impulsen auf dem kulturellen Gebiet. Die japanische Kultur und das ästhetische Empfinden waren seit dem Ende der Heian-Zeit immer durch den Kriegerstand geprägt worden. Konservative Stile in Architektur und Literatur, das ästhetische Empfinden des Zen, das klassische Nō-Theater und verschiedene ritualisierte Handlungen (zum Beispiel die berühmte Teezeremonie) bestimmten das Bild. Den Kaufleuten war diese Welt verschlossen, und so entwickelten sie mit zunehmendem Wohlstand und zunehmender Bildung eine eigene Kultur. In Abgrenzung zur aristokratischen widmete sich diese der ukiyo, der vergänglichen Welt. Hervorzuheben sind die bekannten Malereien des Ukiyo-e sowie das Kabuki als neue Form des Theaters.

Das Ende der Ära Tokugawa

Die Entwicklung großer Städte, die Entstehung von Großhandel und Geldwirtschaft und die Auflösung der Ordnung der Stände läuteten das Ende der Tokugawa-Herrschaft ein, diese Endphase der Edo-Zeit wird auch als Bakumatsu-Zeit bezeichnet. Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu Bauernaufständen, viele Samurai waren hoch verschuldet, die aufstrebenden Händler gewannen dagegen weiter an Einfluss. Dem Shōgunat entglitt zunehmend die Kontrolle. Auch das Ausland übte massiv Druck aus, um eine Öffnung Japans zu erreichen, allen voran Russland, England und die USA. 1853 landeten amerikanische Panzerschiffe unter Commodore Matthew Perry in der Bucht von Edo, um beim Shogunat Konzessionen und die Öffnung von Vertragshäfen zu erreichen. Nach vier Jahren zähen Ringens gab Shōgun Tokugawa Iesada schließlich nach, und es kommt erstmals zu Handelsbeziehungen zwischen den USA und Japan im Vertrag von Kanagawa.

1868 führte diese Entwicklung zur Meiji-Restauration, einer Revolution von oben, die den Tennō symbolisch wieder an die Spitze des Staates stellte.


Moderne

Die Meiji-Zeit

In der Meiji-Zeit unter Kaiser Mutsuhito wurden umfassende Reformen eingeleitet. Das Ständesystem wurde abgeschafft, Geld- statt Naturalssteuern eingeführt und eine Wehrpflichtarmee aufgestellt. Zwar unternahmen mit dem Satsuma-Aufstand von 1877 feudalistische Kräfte eine Rebellion, die aber scheiterte.


Inspiriert durch die Iwakura-Mission, einer Studienreise hochrangiger Politiker nach Nordamerika und Europa, erhielt das Land eine Verfassung; es sollte eine moderne Konstitutionelle Monarchie werden und durch rasche technologische Entwicklung dem Westen auf Augenhöhe begegnen können. Und dies gelang sehr schnell. Explosionsartiges Wirtschaftswachstum und effiziente Rüstungspolitik machten aus dem unterlegenen Inselreich einen Machtfaktor in Asien. 1895 gelang Japan ein Sieg über China im Kampf um die Vorherrschaft in Korea (Chinesisch-Japanischer-Krieg) und 1905 schlug Japans Marine die russischen Streitkräfte in der Seeschlacht bei Tsushima vernichtend (Russisch-Japanischer Krieg).

Mit dem Tod Kaiser Mutsuhitos im Jahre 1912 endete die Meiji-Zeit. Die Restauration der Kaiserherrschaft und die wirtschaftliche, gesellschaftliche und militärische Neuorganisation des Landes in dieser Epoche markieren Japans Eintritt in die Moderne. Die Japan 1855 aufgezwungenen „Ungleichen Verträge“ bzw. die Exterritorialität der Vertragshäfen hatten schon 1894/1911 aufgehoben werden können.

Das imperialistische Japan

Gestärkt von diesen Erfolgen versuchte Japan 1918 in Sibirien Fuß zu fassen. Die Operation scheiterte und führte zu Aufständen, die einen Regierungswechsel ins bürgerliche Lager verursachten.


Im Ersten Weltkrieg kämpfte Japan auf Seiten der Alliierten und profitierte wirtschaftlich. Mit dem Versailler Vertrag übernahm es die deutschen Kolonien in China, was zu massiven Protesten in China führte, der Bewegung des fünften Mai. In den 20er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurde Japan stark von der Weltwirtschaftskrise gebeutelt. Die Wirtschaft wurde umstrukturiert und eine erstarkte Schwerindustrie und einflussreiche Finanzgruppen (zaibatsu) traten in den 30er Jahren hervor. Diese Gruppen hatten starkes Interesse an Aufrüstung und weiterer Expansion.

Von 1912 bis 1926 regierte mit dem Taishō-Tennō Yoshihito ein psychisch kranker Mann, wodurch sich die Macht vom Tennō und seinen Vertrauten, den genrō, auf das Parlament und die neu gegründeten Parteien verschob.

1926 begann mit Hirohitos Inthronisierung die Shōwa-Zeit. Er regierte ein Land, in dem seit dem Ende des Ersten Weltkrieges nationalistische Kräfte zunehmend an Einfluss gewannen. Japan war in diversen internationalen Verhandlungen, insbesondere beim Vertrag von Portsmouth, nicht gleichberechtigt behandelt worden. Obschon sein Anspruch in Korea (trotz Protesten) anerkannt wurde, fanden die Expansionspläne in China keine Unterstützung im Westen. Weltwirtschaftskrise, Naturkatastrophen wie die Zerstörung Tōkyōs durch ein Erdbeben 1923 und soziale Probleme führten zu einer politischen Radikalisierung des Landes. Mehrere Putschversuche und eine massive Sozialistenverfolgung führten schlussendlich zur Machtergreifung einer ultranationalen Gruppierung aus Militärs.


Der Tennō und seine göttliche Abstammung wurden ins Zentrum der politischen Ideologie gerückt, andere als die ultranationale Meinung wurden verfolgt. Im Jahr 1940 war der Mehrparteienstaat tot, eine Zentralorganisation namens Taisei Yokusankai übernahm alle Funktionen. Bereits vor dieser endgültigen Machtergreifung hatten die Militärs bereits ohne Einflussnahme der Politik in China operiert – so in der Mandschurei (siehe: Mandschuko).

1933 trat Japan aus dem Völkerbund aus. 1937 wird der Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke zur Initialzündung des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges. Es kam mit dem Massaker von Nanking zu einem drastischen Kriegsverbrechen. Mit den Achsenmächten Deutschland unter Hitler und Italien unter Mussolini verband Japan sein aggressives Expansionsstreben. Eingebettet in die Achse Berlin-Rom-Tokio und einen Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion (1941) begann das Militär unter dem Motto Asien den Asiaten einen Eroberungsfeldzug in Ostasien, der innerhalb weniger Monate die Kolonialreiche der Niederländer, Engländer und Amerikaner zusammenbrechen ließ. Japan ersetzte diese mit der so genannten „Großostasiatischen Wohlstandssphäre“.


Japan im Zweiten Weltkrieg

Der Angriff auf Pearl Harbor Ende 1941 bedeutete den formellen Eintritt in den Zweiten Weltkrieg. Japan errang bei der Besetzung Chinas Erfolge und konnte sein Einflussgebiet in ganz Südostasien ausdehnen, so dass sogar Australien bedroht war. Auf dem Weg zu diesen militärischen Erfolgen geschahen in den besetzten Gebieten Greueltaten, es kam zum Einsatz biologischer und chemischer Kampfstoffe und zu Menschenversuchen an Kriegsgefangenen.

Japan beherrschte die Philippinen, Neuguinea und Birma, sowie zahllose Inselgruppen, mit Indonesien war ein erdölreiches Land Kolonie des Kaiserreichs geworden. Erst im Juni 1942 mit der Schlacht um Midway wendete sich das Blatt im Pazifikkrieg. Die japanische Marine verlor vier Flugzeugträger. Im August 1942 verloren die Japaner bei Guadalcanal eine weitere wichtige Schlacht.

Die kaiserliche Armee war weit verteilt über das Riesenreich, ihr Nachschub anfällig für Angriffe durch Unterseeboote. Bis 1944 konnte sich die kaiserliche Armee dennoch gut halten. Aber mit zunehmendem Eintreffen von Truppen vom europäischen Kriegsschauplatz und aus den Vereinigten Staaten kam die alliierte Gegenoffensive ins Rollen. Südostasien wurde schrittweise befreit und in einer Reihe amphibischer Operationen, die als „Inselhüpfen“ bekannt geworden sind, bewegten sich die US-Streitkräfte auf die japanischen Hauptinseln zu.

Trotz erbittertem Widerstand fielen 1945 in den Schlachten um Iwo Jima und um Okinawa die wichtigsten Verteidigungsstellungen der japanischen Streitkräfte. Trotz dieser aussichtslosen militärischen Lage und permanenter Bombardierungen waren die japanischen Militärs nicht bereit die bedingungslose Kapitulation zu erklären. Wenig später erfolgten die umstrittenen Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki (6. und 9. August 1945), die Sowjetunion erklärte Japan am 8. August 1945 den Krieg. Diese Ereignisse erzwangen die bedingungslose Kapitulation Japans, die Kaiser Hirohito am 15. August in einer Rundfunkrede verkündete.

Von 1945–1951 wurde Japan von den Alliierten (faktisch den Vereinigten Staaten) besetzt. Die Potsdamer Verträge reduzierten das japanische Territorium wieder auf die Hauptinseln, die Ryukyu-Inseln wurden US-amerikanisches Hoheitsgebiet (und blieben dies bis 1972).

Während der von General Douglas MacArthur, dem Oberkommandierenden der Pazifikstreitkräfte geleiteten, Besatzungszeit wurden umfassende Demokratisierungs- und Entmilitarisierungsmaßnahmen durchgeführt. Trotz allem blieb aber dem Kaiser eine Anklage in den Tokioter Prozessen erspart und ein Teil der alten Eliten wurde für die Errichtung einer neuen gesellschaftlichen Ordnung herangezogen. Dieses Vorgehen führte zwar zur Errichtung eines stabilen neuen Staatsgefüges (unter Beibehaltung des Kaisertums als tragenden Element), führte aber gleichzeitig zu einer mangelnden Aufarbeitung der Kriegsgeschehnisse und -verbrechen.

Anders als in Deutschland war und ist dieses Thema in Japan tabuisiert und die Schuld einer kleinen Riege von Militärs angelastet worden. Alles in allem war die Erneuerung Japans aber ein Erfolg; große Konzerne, die am Krieg verdient hatten, wurden zerschlagen, eine neue Verfassung, die Demokratie und Frieden zu ihren zentralen Themen machte, trat 1947 in Kraft. Reformen im Schul- und Hochschulwesen sollten die Reste der ultranationalen Gleichschaltung beseitigen. Hinsichtlich der Streitkräfte gab die Verfassung vor, dass nur Selbstverteidigungsstreitkräfte unterhalten werden dürfen. Die USA und Japan sind seither in einem Sicherheitspakt verbunden, der die Vereinigten Staaten zur Unterstützung Japans verpflichtet. 1951 schlossen im Friedensvertrag von San Francisco 48 Staaten offiziell wieder Frieden mit Japan, die Besatzung endete 1951/52.


Japan von den 50ern bis Heute

Im Jahr 1956 nahmen auch die Sowjetunion und die VR China (siehe: Japanisch-Chinesische Beziehungen) wieder diplomatische Beziehungen auf, und ein rehabilitiertes Japan wurde Teil der Vereinten Nationen. 1955 etablierte sich ein stabiles System zweier Parteien, der Liberaldemokratischen Partei (LDP) und der Sozialistischen Partei. Das politische Gefüge ähnelte somit dem zahlreicher westlicher Demokratien. Mit Inkrafttreten des Grundlagenvertrags zwischen der Republik Korea und Japan am 18. Dezember 1965 kam es zur Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zu Südkorea.

Das Land blieb nunmehr außenpolitisch zurückhaltend, aber sein wirtschaftlicher Aufstieg war unaufhaltsam. Automobil- und Schiffsbau, später Elektronik wurden die Branchen, deren Exporte das japanische Wirtschaftswachstum der Jahre 1960 bis 1970 entscheidend befeuerten. Japan wurde in die Gruppe der G8-Staaten aufgenommen. 1985 wurde der bis dato vom Devisenmarkt getrennte Yen freigegeben, es kam zu einer Aufwertung des Yen gegenüber dem US-Dollar. Diese Entwicklung dämpfte die japanische Wirtschaftsentwicklung, da die USA hauptsächlicher Absatzmarkt japanischer Exporte waren und sind.

1989 starb Kaiser Hirohito. Sein Sohn Akihito wurde 1990 Kaiser und damit begann die Heisei-Zeit, die von Beginn an überschattet wurde vom Platzen der Bubble Economy. Japan kam im folgenden Jahrzehnt nicht zur Ruhe. Die Wirtschaft geriet in eine tiefe Krise, mehrere Regierungen und Ministerpräsidenten scheiterten. In den Jahren 2000/2001 gab es erstmals eine Stabilisierung der Situation. Die 2001 gewählte Regierung um Premierminister Koizumi Junichiro ist aktuell (2005) immer noch an der Macht. Japan ist nach der inneren Stabilisierung, beginnend mit der UNTAC-Mission von 1992, nun auch weltweit im Rahmen von friedenserhaltenden Maßnahmen der Vereinten Nationen aktiv.




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